Was bedeutet Windelfrei?

In Deutschland hat sich der Begriff Windelfrei durchgesetzt, der allerdings suggeriert, dass das Baby überhaupt keine Windeln trägt. Der englische Begriff ‚Elimination Communication’ – also die Kommunikation hinsichtlich der Ausscheidung – impliziert nichts Derartiges. Denn ob Babys zwischen den Abhaltevorgängen Windeln tragen oder nicht, ist erst einmal völlig unerheblich.

 

Säuglinge haben von Geburt an ein natürliches Empfinden für eine volle Blase oder einen vollen Darm und müssen dies nicht erst erlernen. Mehr als zwei Drittel aller Babys weltweit werden weitestgehend nicht gewickelt, was beweist, dass die Schließmuskelkontrolle nicht erst ab einem Alter von z.B. 24 Monaten möglich ist.

 

Babys zeigen uns auf unterschiedlichste Art und Weise, wann sie sich erleichtern möchten. Ob sie nun eindeutig quengeln oder vielleicht nur diesen gewissen, in die Ferne schweifenden Blick aufsetzen: Mit der Zeit lernen die Eltern ihr Kind sehr gut kennen und bekommen ein Gefühl für dessen Bedürfnisse. Das gilt für die Ausscheidungen des Babys ebenso wie für Hunger oder Müdigkeit.

 

Wenn wir als Eltern ausschließlich konventionell wickeln und nicht auf diese Signale eingehen, lernt das Baby, dass es in die Windel ausscheiden soll. Wenn wir hingegen das Kind bei Bedarf über ein Töpfchen, die Toilette oder Ähnliches halten, bedeuten wir dem Kind: „Ich gehe auf dich ein und helfe dir!" Und so wird es weiterhin signalisieren, wenn es ‚muss’ und sein Gefühl für den vollen Darm oder die volle Blase nicht verlieren.

 

Wenn ein Baby Hunger hat, wird es gestillt. Braucht es Nähe, kuscheln wir mit ihm. Ist es müde, legen wir es schlafen – und wenn es ausscheiden muss, halten wir es über ein Töpfchen. Wir kommunizieren ohnehin mit unseren Babys, bei Windelfrei eben auch über die Ausscheidung.

 

Was Windelfrei nicht sein soll, ist ein konventionelles Töpfchen- oder Sauberkeitstraining. Babys und kleinen Kindern muss Sauberkeit nicht antrainiert werden – wir greifen lediglich ihre Fähigkeiten auf und helfen ihnen, soweit sie eben unsere Hilfe benötigen.